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Beginners Guide Lackieren

 

Kapitel 1: Ein abschreckender Erfahrungsbericht

Kapitel 2: Auswahl der Farbe und Technik

Kapitel 3: Üben üben üben

Kapitel 4: Vorbereiten

Kapitel 5: Lackieren

Kapitel 6: Finishing

 


 

Untitled

Beginners Guide Lackieren
2: Auswahl der Farbe und Technik

Das wichtigste ist die richtige Auswahl der Farbe. Ich will hier niemandem in den Farbton reinreden, das ist Geschmackssache, allerdings sollte man bei der Auswahl der Farbe einige Punkte beachten.

Punkt 1: Wahl der Verarbeitungs-Methode
- Sprühdose: Nicht zu empfehlen, die kleinen 250ml Dosen halten nicht all zu lang was keine Kontinuität gewährleistet und die großen 500ml Dosen sind recht schlecht dosierbar. Je nach Farbe und Hersteller kann es zu massiven Problemen kommen. Ausnahmefall soll angeblich (hab es noch nicht selbst probiert) Mattschwarz sein, hier kann man mit guter Vorarbeit und ein wenig Geschick gute Ergebnisse erzielen.
- Rollen: Mit der Schaumstoffrolle zu arbeiten ist nur in seltenen Fällen empfehlenswert. Genauer gesagt eigentlich garnicht aber mit Hammerschlag-Lack kann man es unter Umständen noch machen. Bei Lacken von Hammerite wird man aufgrund der dickflüssigen Konsistenz sogar quasi dazu gezwungen, zu pinseln und zu rollen denn auch mit der angegebenen 2:1 Verdünnung ist das Zeug noch so dick, daß man es höchstens mit der Füllerpistole halbwegs auftragen kann.
- Airbrush: Nicht empfehlenswert, Farbbehälter zu klein, gesprühte Fläche zu klein, man arbeitet sich dumm und dämlich daran und das Ergebnis hat vermutlich eher zweifelhafte Natur
- Lackier-System: Im Baumarkt bekommt man für ca. 150EUR recht gute Lackiersysteme z.B. von Wagner. Die Systeme sind recht gut, allerdings etwas unflexibel. Unter Umständen sind z.B. Füller zu dickflüssig als daß sie mit den Wagner-Pistolen ordentlich verarbeitet werden können, das ist aber abhängig vom Füller und kann mit dem mitgelieferten Viskositäts-Meßbecher geprüft werden
- Kompressor und Lackierpistole: Ein Luftdruckkompressor für Standard-Schnellverschluß-Systeme kostet ca. 130EUR in der kleinsten Version. Hier ran kann man neben Luftdruck-Schlagschraubern, Luftdruck-Reinigungspistolen und ähnlichen Werkzeugen natürlich auch Lackierpistolen anschließen. Diese kosten in verschiedenen Ausführungen jeweils ca. 25EUR im Baumarkt. Also auch nicht teurer als ein Komplettsystem. Etwas umständlich ist unter Umständen, daß man den Luftdruck korrekt angleichen muß, zu viel ist nicht gut, zu wenig auch nicht. Hier haben Anfänger mit dem abgestimmten Wagner-System natürlich massive Vorteile. Profis werden egal ob mit Wagner-Lackiersystem oder billiger Kompressor-Pistole-Kombi sowieso immer die Hände überm Kopf zusammenschlagen, da der Kompressor für ein optimales Ergebnis viel Luft liefern muß und auch Pistole ist nicht gleich Pistole, eine gute Lackierpistole der Marke Sata kann auch schon mal 250EUR kosten.
- Lackierkabine: Für drei Stunden Lackierkabine mieten kriegt man zwar schon einen Kompressor mit Pistole im Baumarkt aber nicht die Reinraum-Verhältnisse mit Wänden an denen das Wasser runter läuft, Absauganlage und Extrem-Heizung zur Lack-Schnelltrocknung (nein, ein Haarfön oder gar ein Heißluftgebläse ist dafür ganz und garnicht empfehlenswert!).

Die Sortierung ist übrigens nicht zufällig gewählt sondern stellt, entsprechendes Können des Lackierers vorausgesetzt, ein wenig eine Steigerung von schlechter zu guter Qualität dar.

Punkt 2: Wahl der Lack-Art
Will man den Lack nicht komplett bis aufs Blech abschleifen muß man darauf achten, daß der neue Lack zum alten kompatibel ist. Ansonsten kommt der neue Lack nach einiger Zeit (=mehrere Monate bis mehrere Jahre) wieder hoch oder bildet sogar recht sofort so lustige Effekte wie "Orangenhaut".
Es gibt verschiedene Lacke, die gängingsten sind Lacke auf Wasser-, Kunstharz-, Acryl- oder Nitro-Basis. Der freundliche Lackierer um die Ecke wird einem vermutlich sagen können, welcher Lack bei diesem Auto verwendet wurde, solang er den Original-Lack vorgesetzt bekommt und sich nicht schon vorher jemand daran probiert hat. Auf jeden Fall sollte man die gleiche Lack-Basis nehmen.
In Baumärkten bekommt man höchstens Lacke von Dulux und Hammerite (beides ICI-Konzern), von Sprühdosen wie denen von DupliColor sollte man lieber die Finger lassen. Andere bekannte Lack-Hersteller sind Standox, Du Pont, Lesonal, Glasurit, Spiess-Hecker und ICI Autocolor. Bis auf Lesonal, dem Liebling der Autozubehör-Shops (kann man in vielen Shops bestellen) sind die meisten Lacke oft nur Lackierwerksätten zugänglich, aber die mischen/bestellen einem auch sicher gerne den Lack. Man sollte unter Umständen vorher das Datenblatt des Lackherstellers checken, denn Lesonal hat bei Metallic-Lacken die üble Angewohnheit, daß man deren Basecoat 1:1 verdünnen muß, eine Verdünnung, die schon manchen Profilackierer in den Wahnsinn getrieben haben soll (gut ganz so schlimm ist es nicht aber teilweise mußte man in bis zu 7 Arbeitsgängen lackieren um 100% Deckkraft zu erreichen). Je weniger Verdünner in den Lack kommt umso besser ist die Chance, als Anfänger ein ordentliches Ergebnis zu produzieren.

Punkt 3: Wahl der Farbe
Es gibt  verschiedene Arten von Farben die unterschiedlich leicht oder schwer zu lackieren sind. Dunkle Farben sind grundsätzlich anfällig, gegen Fehler beim Lackieren (Staubeinschluß oder ähnliches), gegen Einflüsse von außen (verblassen, dunkler Lack ist in der Regel recht weich und zerkratzt so leichter) und gegen tägliche Verschmutzung. Man sieht halt deutlich mehr auf solch einem Lack.
Recht einfach und preiswert läuft man, wenn man sich im Baumarkt Lack in einem der RAL-Farbtöne anmischen läßt, es müßte sich hierbei um Wasser- oder Kunstharzlack handeln, näheres ist aber den Dokumentationen des Herstellers (müßte ICI Dulux sein).
Als Anfänger probiert man lieber erst mal einen Uni-Farbton ohne jeden Effekt, außer man will trotz aller Warnungen unbedingt mit Sprühdosen lackieren hier taugen die Uni-Farbtöne eh nichts und irgendwie drängt sich mir aus meinen langjährigen Hobby-Lackiererfahrungen mir langsam der Verdacht auf, als wären die Metallic-Sprühdosenlacke einfacher zu verarbeiten als die Uni-Sprühdosenlacke.
Uni-Lacke werden, so es sich um echte Autolacke handelt, in der Regel in nur einer Schicht lackiert. Es handelt sich hierbei um 2-Komponenten-Lacke, kurz 2K-Lacke, die in einem bestimmten Verhältnis (Datenblatt des Herstllers konsultieren) mit Verdünner und Härter aufgemischt werden. Es gibt auch 1K-Uni-Lacke die anschließend mit Klarlack überlackiert werden, das garantiert bessere Haltbarkeit, ist aber teurer und unter Umständen schwerer zu verarbeiten. Die letzte Kategorie der 1K-Lacke ist billiger Baumarkt-Lack, unabhängig davon, ob aus der Sprühdose oder ein angemischter RAL-Farbton. Besonders bei Rot sind 2-Schichtlackierungen mit 1K-Uni-Lacken empfehlenswert, da rot sehr weich ist (hohe Gefahr von Kratzern) und zu allem Überfluß auch noch grausig schnell ausbleicht. Ein rotes Auto, das ohne sonderliche Pflege nach 3 Jahren immer noch die gleiche Farbe hat wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit mit 2 Schichten lackiert. Das tückische an Uni-Lacken aus der Sprühdose ist, daß dort im Gegensatz zu Metallic-Lacken kein Hinweis auf "Klarlack verwenden" vermerkt ist, ein gefährlicher Trugschluß, denn das Zeugs enthält keinen Härter und macht ohne Klarlack alle möglichen nur erdenklichen Probleme (färbt nach Wochen immer noch ab, anfällig gegen alle Arten von Beschädigung, läßt sich mit Verdünner und was noch schlimmer ist teilweise gar normalem Benzin abwaschen).
Metallic-Lacke sind in der Regel 1K-Lacke, heißt es muß anschließend eine Schicht Klarlack überlackiert werden. Es gibt allerdings recht kuriose Ausnahmen. Dazu gehört der Farbton "April-Green" von Jaguar. Zwar weiß ich nicht, ob dies bei allen Lackherstellern so ist aber bei dieser Farbe soll es sich meinen Informationen zu Folge um einen 1-Schicht Metallic-Lack handeln, also ein 2K-Lack, der auch Härter enthält. Dies ist bei Metallic absolut ungewöhnlich und erfordert besondere Verarbeitungsmethoden, die selbst viele Profilackierer heute nicht mehr beherrschen. Eine andere Tücke von Metallic-Lacken kann der Silberanteil sein. Silber Metallic ist eine der schwerst zu lackierenden Farben überhaupt. Farben mit hohem Silber-Anteil in der Mischung, und dazu zählt auch Gold, sind ähnlich schwer zu lackieren. Man tut gut daran, sich über den Silber-Anteil der Lack-Mischung zu informieren, das geht z.B. in der Farbdatenbank von Standox unter www.standox.de
Perleffekt-Lacke sind die nächste Stufe und nicht unbedingt einfacher zu lackieren als Uni- oder Metallic-Lacke. Ich gehe mangels Erfahrung garnicht erst darauf ein, für den Anfänger ist das sicher nichts.
Und von Flip-Flop Lacken die je nach Blickwinkel eine völlig andere Farbe haben wollen wir garnicht erst anfangen.
Von Exoten wie "Hammerschlag" und sonstigen Effekten ist auch abzuraten. Wie ich schon in der Einleitung erwähnte, Hammerschlag ist dick, Hammerschlag ist hart und enthält zu allem Überfluß auch noch Silikonöl um den beim Hammerschlag erwünschten Kratereffekt zu erzeugen: Es ist quasi unmöglich das Zeugs wieder sauber zu entfernen sodaß eine neue saubere Lackierung möglich ist.
Chrom, Silber und Gold Effekt sind auch noch so Sonderfälle. Mit Silber und Gold meine ich jetzt keine Metallic- oder RAL Farben die mehr oder weniger so aussehen sondern Effektlacke die den Oberflächeneffekt von Chrom, Silber oder Gold imitieren sollen. Das dumme daran ist, daß diese Effektlacke nicht abriebfest sind. Es ist auch nicht möglich, den Effekt durch Klarlack zu konservieren, mit Chrom (das frisch lackiert sehr gut aussah, man durfte es nur nicht anfassen) und dem nach anschließendem Klarlack-Auftrag entstandenen Chrom-Metallic (also popliges Silbergrau-Metallic) hab ich schon eigene Erfahrungen, inkl. der, daß Chromlack auf unterschiedliche Klarlacke anders reagiert, der Metallic-Effekt ist mal stärker, mal weniger stark. Chrom, Silber und Gold kann man nur galvanisch auftragen. Auf Metallen ist das recht unproblematisch, Kunststoff muß leitend gemacht werden, z.B. durch Aufdampfen von Kupfer. Metalle galvanisch verslilbern und vergolden kann man als Privatmann mit einem kleinen Set das es auch bei Conrad Elektronik gibt, Kunststoffgalvanisierung dürfte mangels Möglichkeit zur Kupferbedampfung schwer werden und Chromelektrolyt ist stark gesundheitsschädlich und somit nur Spezialbetrieben vorenthalten.