Magica et Technica
Start
Forum
Autos
-Audi 80
-Ford
Mondeo
-Lackieren
-Nachrüsten
-Gimmicks
-Sonstiges
Videos
-Video digitalisieren und restaurieren
-Videoschnitt mit Media Studio Pro
-Videoschnitt mit Vegas
-Bildfilter - Was funktioniert wie?
-Videomedien für Consumer und Profis
Fotos
-Kaufberatung Digitalkameras
Computer
-PC-Nostalgie
Handwerk
|
Beginners Guide Lackieren
Kapitel
1: Ein abschreckender Erfahrungsbericht
Kapitel
2: Auswahl der Farbe und Technik
Kapitel
3: Üben üben üben
Kapitel
4: Vorbereiten
Kapitel
5: Lackieren
Kapitel
6: Finishing
Untitled
Beginners Guide Lackieren
2: Auswahl der Farbe und Technik
Das wichtigste ist die richtige Auswahl der Farbe. Ich will
hier niemandem in den Farbton reinreden, das ist Geschmackssache, allerdings
sollte man bei der Auswahl der Farbe einige Punkte beachten.
Punkt 1: Wahl der Verarbeitungs-Methode
- Sprühdose: Nicht zu empfehlen, die kleinen 250ml Dosen halten nicht all
zu lang was keine Kontinuität gewährleistet und die großen 500ml
Dosen sind recht schlecht dosierbar. Je nach Farbe und Hersteller kann es zu
massiven Problemen kommen. Ausnahmefall soll angeblich (hab es noch nicht selbst
probiert) Mattschwarz sein, hier kann man mit guter Vorarbeit und ein wenig
Geschick gute Ergebnisse erzielen.
- Rollen: Mit der Schaumstoffrolle zu arbeiten ist nur in seltenen Fällen
empfehlenswert. Genauer gesagt eigentlich garnicht aber mit Hammerschlag-Lack
kann man es unter Umständen noch machen. Bei Lacken von Hammerite wird
man aufgrund der dickflüssigen Konsistenz sogar quasi dazu gezwungen, zu
pinseln und zu rollen denn auch mit der angegebenen 2:1 Verdünnung ist
das Zeug noch so dick, daß man es höchstens mit der Füllerpistole
halbwegs auftragen kann.
- Airbrush: Nicht empfehlenswert, Farbbehälter zu klein, gesprühte
Fläche zu klein, man arbeitet sich dumm und dämlich daran und das
Ergebnis hat vermutlich eher zweifelhafte Natur
- Lackier-System: Im Baumarkt bekommt man für ca. 150EUR recht gute Lackiersysteme
z.B. von Wagner. Die Systeme sind recht gut, allerdings etwas unflexibel. Unter
Umständen sind z.B. Füller zu dickflüssig als daß sie mit
den Wagner-Pistolen ordentlich verarbeitet werden können, das ist aber
abhängig vom Füller und kann mit dem mitgelieferten Viskositäts-Meßbecher
geprüft werden
- Kompressor und Lackierpistole: Ein Luftdruckkompressor für Standard-Schnellverschluß-Systeme
kostet ca. 130EUR in der kleinsten Version. Hier ran kann man neben Luftdruck-Schlagschraubern,
Luftdruck-Reinigungspistolen und ähnlichen Werkzeugen natürlich auch
Lackierpistolen anschließen. Diese kosten in verschiedenen Ausführungen
jeweils ca. 25EUR im Baumarkt. Also auch nicht teurer als ein Komplettsystem.
Etwas umständlich ist unter Umständen, daß man den Luftdruck
korrekt angleichen muß, zu viel ist nicht gut, zu wenig auch nicht. Hier
haben Anfänger mit dem abgestimmten Wagner-System natürlich massive
Vorteile. Profis werden egal ob mit Wagner-Lackiersystem oder billiger Kompressor-Pistole-Kombi
sowieso immer die Hände überm Kopf zusammenschlagen, da der Kompressor
für ein optimales Ergebnis viel Luft liefern muß und auch Pistole
ist nicht gleich Pistole, eine gute Lackierpistole der Marke Sata kann auch
schon mal 250EUR kosten.
- Lackierkabine: Für drei Stunden Lackierkabine mieten kriegt man zwar
schon einen Kompressor mit Pistole im Baumarkt aber nicht die Reinraum-Verhältnisse
mit Wänden an denen das Wasser runter läuft, Absauganlage und Extrem-Heizung
zur Lack-Schnelltrocknung (nein, ein Haarfön oder gar ein Heißluftgebläse
ist dafür ganz und garnicht empfehlenswert!).
Die Sortierung ist übrigens nicht zufällig gewählt sondern stellt,
entsprechendes Können des Lackierers vorausgesetzt, ein wenig eine Steigerung
von schlechter zu guter Qualität dar.
Punkt 2: Wahl der Lack-Art
Will man den Lack nicht komplett bis aufs Blech abschleifen muß man darauf
achten, daß der neue Lack zum alten kompatibel ist. Ansonsten kommt der
neue Lack nach einiger Zeit (=mehrere Monate bis mehrere Jahre) wieder hoch
oder bildet sogar recht sofort so lustige Effekte wie "Orangenhaut".
Es gibt verschiedene Lacke, die gängingsten sind Lacke auf Wasser-, Kunstharz-,
Acryl- oder Nitro-Basis. Der freundliche Lackierer um die Ecke wird einem vermutlich
sagen können, welcher Lack bei diesem Auto verwendet wurde, solang er den
Original-Lack vorgesetzt bekommt und sich nicht schon vorher jemand daran probiert
hat. Auf jeden Fall sollte man die gleiche Lack-Basis nehmen.
In Baumärkten bekommt man höchstens Lacke von Dulux und Hammerite
(beides ICI-Konzern), von Sprühdosen wie denen von DupliColor sollte man
lieber die Finger lassen. Andere bekannte Lack-Hersteller sind Standox, Du Pont,
Lesonal, Glasurit, Spiess-Hecker und ICI Autocolor. Bis auf Lesonal, dem Liebling
der Autozubehör-Shops (kann man in vielen Shops bestellen) sind die meisten
Lacke oft nur Lackierwerksätten zugänglich, aber die mischen/bestellen
einem auch sicher gerne den Lack. Man sollte unter Umständen vorher das
Datenblatt des Lackherstellers checken, denn Lesonal hat bei Metallic-Lacken
die üble Angewohnheit, daß man deren Basecoat 1:1 verdünnen
muß, eine Verdünnung, die schon manchen Profilackierer in den Wahnsinn
getrieben haben soll (gut ganz so schlimm ist es nicht aber teilweise mußte
man in bis zu 7 Arbeitsgängen lackieren um 100% Deckkraft zu erreichen).
Je weniger Verdünner in den Lack kommt umso besser ist die Chance, als
Anfänger ein ordentliches Ergebnis zu produzieren.
Punkt 3: Wahl der Farbe
Es gibt verschiedene Arten von Farben die unterschiedlich leicht oder
schwer zu lackieren sind. Dunkle Farben sind grundsätzlich anfällig,
gegen Fehler beim Lackieren (Staubeinschluß oder ähnliches), gegen
Einflüsse von außen (verblassen, dunkler Lack ist in der Regel recht
weich und zerkratzt so leichter) und gegen tägliche Verschmutzung. Man
sieht halt deutlich mehr auf solch einem Lack.
Recht einfach und preiswert läuft man, wenn man sich im Baumarkt Lack in
einem der RAL-Farbtöne anmischen läßt, es müßte sich
hierbei um Wasser- oder Kunstharzlack handeln, näheres ist aber den Dokumentationen
des Herstellers (müßte ICI Dulux sein).
Als Anfänger probiert man lieber erst mal einen Uni-Farbton ohne jeden
Effekt, außer man will trotz aller Warnungen unbedingt mit Sprühdosen
lackieren hier taugen die Uni-Farbtöne eh nichts und irgendwie drängt
sich mir aus meinen langjährigen Hobby-Lackiererfahrungen mir langsam der
Verdacht auf, als wären die Metallic-Sprühdosenlacke einfacher zu
verarbeiten als die Uni-Sprühdosenlacke.
Uni-Lacke werden, so es sich um echte Autolacke handelt, in der Regel in nur
einer Schicht lackiert. Es handelt sich hierbei um 2-Komponenten-Lacke, kurz
2K-Lacke, die in einem bestimmten Verhältnis (Datenblatt des Herstllers
konsultieren) mit Verdünner und Härter aufgemischt werden. Es gibt
auch 1K-Uni-Lacke die anschließend mit Klarlack überlackiert werden,
das garantiert bessere Haltbarkeit, ist aber teurer und unter Umständen
schwerer zu verarbeiten. Die letzte Kategorie der 1K-Lacke ist billiger Baumarkt-Lack,
unabhängig davon, ob aus der Sprühdose oder ein angemischter RAL-Farbton.
Besonders bei Rot sind 2-Schichtlackierungen mit 1K-Uni-Lacken empfehlenswert,
da rot sehr weich ist (hohe Gefahr von Kratzern) und zu allem Überfluß
auch noch grausig schnell ausbleicht. Ein rotes Auto, das ohne sonderliche Pflege
nach 3 Jahren immer noch die gleiche Farbe hat wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit
mit 2 Schichten lackiert. Das tückische an Uni-Lacken aus der Sprühdose
ist, daß dort im Gegensatz zu Metallic-Lacken kein Hinweis auf "Klarlack
verwenden" vermerkt ist, ein gefährlicher Trugschluß, denn das
Zeugs enthält keinen Härter und macht ohne Klarlack alle möglichen
nur erdenklichen Probleme (färbt nach Wochen immer noch ab, anfällig
gegen alle Arten von Beschädigung, läßt sich mit Verdünner
und was noch schlimmer ist teilweise gar normalem Benzin abwaschen).
Metallic-Lacke sind in der Regel 1K-Lacke, heißt es muß anschließend
eine Schicht Klarlack überlackiert werden. Es gibt allerdings recht kuriose
Ausnahmen. Dazu gehört der Farbton "April-Green" von Jaguar.
Zwar weiß ich nicht, ob dies bei allen Lackherstellern so ist aber bei
dieser Farbe soll es sich meinen Informationen zu Folge um einen 1-Schicht Metallic-Lack
handeln, also ein 2K-Lack, der auch Härter enthält. Dies ist bei Metallic
absolut ungewöhnlich und erfordert besondere Verarbeitungsmethoden, die
selbst viele Profilackierer heute nicht mehr beherrschen. Eine andere Tücke
von Metallic-Lacken kann der Silberanteil sein. Silber Metallic ist eine der
schwerst zu lackierenden Farben überhaupt. Farben mit hohem Silber-Anteil
in der Mischung, und dazu zählt auch Gold, sind ähnlich schwer zu
lackieren. Man tut gut daran, sich über den Silber-Anteil der Lack-Mischung
zu informieren, das geht z.B. in der Farbdatenbank von Standox unter www.standox.de
Perleffekt-Lacke sind die nächste Stufe und nicht unbedingt einfacher zu
lackieren als Uni- oder Metallic-Lacke. Ich gehe mangels Erfahrung garnicht
erst darauf ein, für den Anfänger ist das sicher nichts.
Und von Flip-Flop Lacken die je nach Blickwinkel eine völlig andere Farbe
haben wollen wir garnicht erst anfangen.
Von Exoten wie "Hammerschlag" und sonstigen Effekten ist auch abzuraten.
Wie ich schon in der Einleitung erwähnte, Hammerschlag ist dick, Hammerschlag
ist hart und enthält zu allem Überfluß auch noch Silikonöl
um den beim Hammerschlag erwünschten Kratereffekt zu erzeugen: Es ist quasi
unmöglich das Zeugs wieder sauber zu entfernen sodaß eine neue saubere
Lackierung möglich ist.
Chrom, Silber und Gold Effekt sind auch noch so Sonderfälle. Mit Silber
und Gold meine ich jetzt keine Metallic- oder RAL Farben die mehr oder weniger
so aussehen sondern Effektlacke die den Oberflächeneffekt von Chrom, Silber
oder Gold imitieren sollen. Das dumme daran ist, daß diese Effektlacke
nicht abriebfest sind. Es ist auch nicht möglich, den Effekt durch Klarlack
zu konservieren, mit Chrom (das frisch lackiert sehr gut aussah, man durfte
es nur nicht anfassen) und dem nach anschließendem Klarlack-Auftrag entstandenen
Chrom-Metallic (also popliges Silbergrau-Metallic) hab ich schon eigene Erfahrungen,
inkl. der, daß Chromlack auf unterschiedliche Klarlacke anders reagiert,
der Metallic-Effekt ist mal stärker, mal weniger stark. Chrom, Silber und
Gold kann man nur galvanisch auftragen. Auf Metallen ist das recht unproblematisch,
Kunststoff muß leitend gemacht werden, z.B. durch Aufdampfen von Kupfer.
Metalle galvanisch verslilbern und vergolden kann man als Privatmann mit einem
kleinen Set das es auch bei Conrad Elektronik gibt, Kunststoffgalvanisierung
dürfte mangels Möglichkeit zur Kupferbedampfung schwer werden und
Chromelektrolyt ist stark gesundheitsschädlich und somit nur Spezialbetrieben
vorenthalten.
|