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Beginners Guide Lackieren
Kapitel
1: Ein abschreckender Erfahrungsbericht
Kapitel
2: Auswahl der Farbe und Technik
Kapitel
3: Üben üben üben
Kapitel
4: Vorbereiten
Kapitel
5: Lackieren
Kapitel
6: Finishing
Untitled
Beginners Guide Lackieren
1: Ein abschreckender Erfahrungsbericht
Für alle, die ihr Auto selbst lackieren wollen der ultimative Beginner's
Guide im Lackieren.
Regel 1: Sein lassen, zum Lackierer gehen
Regel 2: Sein lassen, zum Lackierer gehen
Regel 3: Sein lassen, zum Lackierer gehen
Wer es dennoch probieren will hier ein abschreckender Erfahrungsbericht und
anschließend ein paar Tips.
Schon wieder neue Kratzer, teilweise bis auf die Grundierung durchpoliert,
und alles irgendwie nicht so besonders, der Originallack war in einem grausigen
Zustand. Schluß hieraus: Neuer Lack muß drauf. Nach einigen gelungenen
Computergehäusen sowie absolut unsichtbar durchgeführten Rostausbesserungen
dachte ich, ich könnte lackieren. Die auserchorene Farbe war Brokatgelb
Metallic (Farbcode 488) von Opel, der Lack kam von Lesonal.
Also in großem Stile vorbereitet. Alles an Material besorgt, alles abgeklebt,
schleifen, grundieren und füllern, Naßschliff, ... so weit so gut.
Den Decklack in die Pistole eingefüllt und losgelegt. Los ging es hinten.
Trotz allzu intensiven Trockenmaßnahmen und langer Wartezeit hatten sich
in einigen Ecken noch Wasseransammlungen gebildet die durch den hohen Druck
der Lackierpistole mobilisiert wurden und sich munter mit dem Decklack vermischten.
Also Kofferraumklappe Versuch abgebrochen, hier mußte geschliffen und
neu angefangen werden. Dafür legte ich jetzt am anderen Ende, vorne los.
Kaum war der Kotflügel fertig hatte ich auch schon das Strahlen in den
Augen: Es war absolut perfekt, an der Gleichmäßigkeit gab es nichts
zu bemängeln, die Fläche war absolut eben, ohne Läufer. Dann
aufgestanden und das ganze aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Schock!
Fleckig wie die Milka-Kuh in Gold (oder in Brokatgelb Metallic besser gesagt).
Klassische Wolkenbildung, die nicht zuletzt zurückzuführen ist auf
mangelnde Lackiererfahrung und den damit verbundenden Fehlern und die Tatsache,
daß Gold ein extrem schwer zu lackierender Lack ist. Das liegt wohl daran,
daß Silber unter den Standardfarben die mit abstand am schwersten zu lackierende
Farbe ist und Goldtöne einen extrem hohen Silberlack-Anteil aufweisen,
und ganz besonders Brokatgelb als sehr heller Goldton.
Ein Bild wo es ausnahmsweise recht gut geklappt hat (leider Ausnahmefall - es
zeigt die Kofferraumklappe bzw. einen Teil davon) hier:
Also schnell alle Beweise beseitigt und die bereits lackierten Teile die ich
in meinem Übermut mal wieder teilweise bis aufs Blech runtergeschliffen
hab neu grundiert, jedoch: Oh schock, aus irgendeinem Grund rebellierte die
Grundierung. Die Läufer waren vielleicht auf meine "Schnell schnell"
Mentalität zurückzuführen, woher jedoch Risse, Blasen und sonstige
Probleme rührten konnte ich nicht so ganz einordnen. Als dann die Grundierung
halbwegs eben war ging es dann an die "Notfall-Lackierung" damit das
Auto wenigstens von weitem wieder gut aussieht bis es zum Lackierer kommt. Scheinbar
harmonierte weder ich noch die Grundierung mit dem Tornadoroten Lack aus den
billigen Baumarkt-Sprühdosen von Duplicolor. Denn für eine "Notfall-Lackierung"
wollte ich mir nicht wieder extrateuren Lack anmischen lassen. Das Dosierungsproblem
der Duplicolor-Dosen das mir einige Läufer auf senkrechten Flächen
bescherte war die eine Sache, zum anderen war die Grundierung scheinbar nicht
in Ordnung sodaß der Lack nicht richtig haftete: Auf den waagerechten
Flächen verlief der ursprünglich regelmäßig aufgetragene
Lack so stark, daß sich kleine Flächen mit viel zu viel Lack bildeten,
rundherum Flächen mit viel zu wenig Lack sodaß die Grundierung durchscheint,
was ein interessantes Batik-Muster ergibt.
[Scherz]Die Farbe sah so interessant aus, daß mir das rote Kreuz schon
einen Job als Lackierer angeboten hat, ich sollte Krankenwagen in der Farbe
passend zur abzuholenden Krankheit lackieren. Neben der aktuellen Farbe "Aufgeschnittene-Pulsadern-Rot"
(Namensgebung wegen des interessanten Musters in dem die Farbe verlaufen ist)
kamen auch Entwicklungsaufträge für "Hepatitis-Gelb", "Sauerstoffmangel-Blau",
"Blutarmut-Weiß" und "Verbrennungen-4.-Grades-Schwarz"[/Scherz]
Bilder davon erspare ich euch lieber, es gibt auch keine, ansonsten erpreßt
mich demnächst noch einer damit *g*
Jetzt hab ich das Auto immerhin halbwegs gerettet und zwar mit dunkelgrünem
Hammerschlag-Metallic-Lack von Hammerite. Ganz zufrieden bin ich zwar nicht
damit und es könnten auch diverse prinzipbedingte Probleme mit dem Lack
auftreten aber für den Winter reicht es. Daß der Tip mit dem Hammerschlag,
der übrigens von einem gelernten Autolackierer stammte, doch nicht so das
wahre war zeigte die Zeit: Zum einen setzen sich in den Unebenheiten schnell
Staub und Dreck ab, kaum noch vernünftig waschbar, zum anderen ist das
Zeugs verflucht hart und selbst mit brutalsten Mitteln wie Fiberglas-Putzscheiben
("Negerkekse") und Drahtbürsten kaum mehr zu entfernen. Und schafft
man es in mühseliger Arbeit doch bleibt immer noch das Problem, daß
der Hammerschlageffekt mit Silikonölen erzielt wird und es somit mit der
neuen Grundierung und dem neuen Lack zu Haftproblemen wie Kraterbildung kommen
kann.
Was lernen wir daraus? Lackieren ist nicht umsonst ein Beruf den man lange Zeit
erlernen muß.
Wer es dennoch probieren will:
Hier eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen, guter Theorie-Tips und Buchempfehlungen
Eine Anmerkung am Rande, besagtes "Versuchskaninchen"-Auto (das ohnehin
schon recht alt war) existiert mittlerweile nicht mehr da es auch ohne die kuriose
Lackierung nicht mehr durch den TÜV gekommen wäre. In sofern tut es
mir auch nicht um das Auto selbst leid sondern nur in das Geld das ich in die
Versuche reingebuttert habe. Jetzt habe ich dafür wenigstens etwas Übung
die ich anderweitig nutzen kann (nicht mehr an Autos! ;-) )
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